Zum Inhalt springen

Fünf Tipps aus der Tierwohlwissenschaft, damit Hunde bei uns ihr bestes Leben leben

Junger Mann sitzt im Gras und spielt mit einem neugierigen Hund im Park bei Sonnenschein.

Wenn man von „Wissenschaft, die sich darauf konzentriert, wie Hunde mit uns ihr bestes Leben führen können“ hört, klingt das zunächst wie ein Fantasie-Beruf, den sich ein Kind ausgedacht hat. Tatsächlich gibt es dieses Fachgebiet: die Tierwohlwissenschaft – und sie hat spürbaren Einfluss.

Als unser beliebtester tierischer Begleiter und zugleich wichtiger „Kollege“ in vielen Arbeitsbereichen verdienen Hunde wissenschaftliche Aufmerksamkeit. In den letzten Jahren haben wir besser verstanden, in welchen Punkten Hunde uns Menschen ähneln – und ebenso, was sie ganz eigenständig ausmacht.

Meist denken wir daran, was Hunde für uns tun: Sie sind Gefährten, spüren als Detektoren Dinge auf und tragen dazu bei, dass wir uns sicherer und gesünder fühlen. Hundezentrierte Forschung hilft uns, die Welt stärker aus der Perspektive von vier Pfoten zu betrachten – und dieses Wissen so zu nutzen, dass Hunde ein gutes Leben haben.

Hier kommen fünf Hinweise, damit die Schwänze in Ihrem Alltag möglichst oft fröhlich wedeln.

1. Hunde schnüffeln lassen

Schnüffeln macht Hunde zufriedener. Weil wir Menschen unsere Umwelt vor allem über das Sehen wahrnehmen, vergessen wir leicht, dass Hunde in einer Geruchswelt leben. Für uns ist die tägliche Runde oft schlicht Bewegung – für viele Hunde kann sie aber die einzige Zeit ausserhalb der gewohnten Umgebung sein.

Wenn ein Hund sich ausgiebig an einem Baum oder Pfosten „festliest“, ist das für ihn eine Fülle an lohnenden Informationen. Für seine Nase entspricht das ungefähr dem Moment, in dem wir auf einem Berggipfel stehen und einen intensiven, farbgesättigten Sonnenuntergang in uns aufnehmen.

2. Hunden Handlungsspielraum geben

Handlungsspielraum (Agency) ist in der Tierwohlwissenschaft derzeit ein zentrales Thema. Wer die Frustration strenger Lockdowns in den ersten Jahren von COVID erlebt hat, erinnert sich gut daran, wie es der Psyche zusetzt, nicht dahin zu können, wo man möchte – und nicht die Menschen sehen zu dürfen, die man sehen will, wann man es will.

Inzwischen wissen wir: Wahlmöglichkeiten und Kontrolle über das eigene Leben sind auch für Tiere wichtig – ebenso für ihr psychisches Wohlbefinden. Wir können das Wohlergehen unserer Hunde verbessern, indem wir ihnen mehr Entscheidungen ermöglichen und ihnen echte Kontrolle geben.

Das kann eine Hundeklappe sein, damit sie selbst wählen können, ob sie nach draussen oder hinein möchten. Es kann bedeuten, dass der Hund im Park entscheidet, welchen „schnüffeligen“ Weg er nimmt. Vielleicht darf er aus einer grösseren Spielzeugsammlung, die regelmässig rotiert, für diesen Tag drei Spielsachen auswählen. Oder Sie legen eine alte Decke an einen neuen Platz, an dem Sie beobachtet haben, dass dort Sonne auf den Boden fällt, damit der Hund sich dort ausruhen kann.

Solche Wahlmöglichkeiten müssen weder kompliziert noch teuer sein.

3. Anerkennen, dass alle Hunde Individuen sind

Häufig werden bestimmten Hunderassen feste Persönlichkeitseigenschaften zugeschrieben. Doch wie wir Menschen haben auch Hunde eigene Charaktere und Vorlieben. Nicht jeder Hund mag dasselbe – und ein neuer Hund im Haushalt kann sich völlig anders verhalten als der vorherige.

Der eine liebt vielleicht den Hundepark und rennt eine Stunde lang im Höchsttempo mit anderen Hunden umher. Ein anderer bleibt viel lieber bei Ihnen und kaut entspannt im Garten auf etwas herum.

Innerhalb einer Rasse gibt es mindestens so viel Verhaltensvielfalt wie zwischen verschiedenen Rassen. Für das Wohlbefinden ist entscheidend, Hunden als Individuen zu begegnen und sie dort „abzuholen“, wo sie stehen.

Neben dem genauen Beobachten dessen, was ein Hund gern tut, gehört auch dazu, ihn nicht in Situationen zu drängen, die ihm keinen Spass machen. Achten Sie auf Verhaltenssignale, die auf Unwohlsein hindeuten – etwa Wegschauen, Lippenlecken oder Gähnen.

4. Die Entscheidung von Hunden respektieren, auszusteigen

Auch zu Hause können wir Optionen schaffen, falls der Hund nicht bei jeder Aktivität mitmachen möchte. Ein ruhiger Rückzugsort ist sehr wichtig, damit Hunde sich entziehen können, wenn sie das brauchen.

Wenn der Fernseher sehr laut läuft, kann das für empfindliche Ohren schnell zu viel sein. Lassen Sie dann zum Beispiel eine Tür zu einem anderen Raum offen, damit der Hund ausweichen kann. Manche Hunde sind überfordert, wenn Besuch kommt; ihnen einen sicheren, ruhigen Platz anzubieten, statt eine Interaktion zu erzwingen, hilft beim Umgang damit.

Hunde können ausserdem hervorragende Vorbilder für Kinder sein, wenn es darum geht, Empathie zu lernen. Einverständnis lässt sich zeigen, indem wir Hunde selbst zu uns kommen lassen, wenn sie gestreichelt werden möchten, und sie wieder gehen lassen, wenn sie das wollen. Ähnlich wie exotische Tiere, die im Zirkus Kunststücke vorführen müssen, wirkt auch das Verkleiden von Hunden zu unserer Unterhaltung inzwischen überholt. Würde man die meisten Hunde fragen, hätten sie vermutlich keine Lust auf Kostüme oder darauf, Teil Ihrer Halloween-Abenteuer zu sein.

5. Möglichkeiten für Aktivitäten ohne Leine – aber sicher

Wenn Hunde ohne Leine laufen dürfen, nutzen sie Raum anders: Sie erkunden in der Regel grossflächiger und bewegen sich schneller, als wenn sie mit uns an der Leine unterwegs sind. Das verschafft ihnen wertvolle und zugleich vergnügliche Bewegung, die sie fit und gesund hält.

Eine aktuelle Untersuchung dazu, wie „lebenswert“ Städte für Hunde sind, hat alle ausgewiesenen Flächen kartiert, auf denen Hunde ohne Leine rennen dürfen. Je nach Wohnort reichte die „Hundedichte“ dabei von einem Hund auf jeweils sechs Menschen bis zu einem Hund auf jeweils 30 Menschen.

Ausserdem wurde betrachtet, wie der Zugang zu solchen Bereichen mit den jährlichen Registrierungsgebühren für Hunde in den jeweiligen Verwaltungsgebieten zusammenhängt – mit überraschenden Unterschieden im Grossraum Melbourne. Dabei stellten wir fest, dass die Gebühren zwischen A$37 und $84 lagen und nicht damit zusammenhingen, wie viele Bereiche ohne Leine erreichbar waren.

Für hundefreundliche Länder wie Australien fühlt es sich gut an, unseren vierbeinigen Freunden ein möglichst gutes Leben zu ermöglichen. Wissenschaft aus der Perspektive von vier Pfoten kann uns helfen, alltägliche Situationen mit Hunden neu zu bewerten und positive Veränderungen anzustossen, damit wir gemeinsam gut leben.

  • Mia Cobb, Wissenschaftliche Mitarbeiterin, Zentrum für Tierwohlwissenschaft, Universität Melbourne*

Dieser Artikel wurde aus The Conversation unter einer Creative-Commons-Lizenz erneut veröffentlicht. Lesen Sie den Originalartikel.


Kommentare

Noch keine Kommentare. Sei der Erste!

Kommentar hinterlassen