Eine Fachperson erläutert, wie schon kleine Anpassungen im Alltag und ein offener Austausch Kindern einen gelasseneren Schulstart ermöglichen – besonders jenen, die sich mit Veränderungen im Tagesablauf schwertun.
Wenn das Ende der Schulferien näher rückt, kann gerade die vorletzte Woche vor dem Unterrichtsbeginn für Familien ein sinnvoller Zeitpunkt sein, die Rückkehr in den Schulalltag vorzubereiten. Wer Schlafens- und Essenszeiten schrittweise anpasst, über den Neustart spricht und die Gefühle der Kinder ernst nimmt, erleichtert den Übergang – vor allem bei Kindern, die auf Routinewechsel sensibel reagieren.
In den Ferien werden Schlafrhythmus und Mahlzeiten oft lockerer gehandhabt, und es bleibt mehr Raum für Freizeit, Reisen und gemeinsame Zeit mit der Familie. Je näher der Schulbeginn rückt, desto eher können bei manchen Kindern jedoch Nervosität, Reizbarkeit oder Widerstand auftreten.
Laut Gleyson Santos, Gründer von NeuroIdentify, einem Startup aus Pará, das Lösungen entwickelt, um Lehrkräfte bei schulischer Inklusion zu unterstützen, ist die Rückkehr in die Schule ein Anpassungsprozess, der deutlich über das Wiederaufnehmen des Lernstoffs hinausgeht.
„Zurück in die Schule zu gehen bedeutet nicht nur, wieder zu lernen. In dieser Zeit findet eine emotionale, kognitive und verhaltensbezogene Anpassung statt“, sagt er.
Auch wenn diese Hinweise besonders für neurodivergente Kinder hilfreich sind, profitieren grundsätzlich alle Familien in der Übergangsphase zwischen Ferien und Unterrichtsbeginn davon.
5 Schritte, die den Schulstart erleichtern können
1 – Den Alltag einige Tage vorher wieder aufnehmen
Eine der wichtigsten Empfehlungen lautet, nicht alles erst am Tag vor dem Schulbeginn umzustellen.
Sinnvoll ist es, bereits einige Tage vorher die Zeiten fürs Schlafengehen, Aufstehen und Essen nach und nach zu korrigieren. Eine langsame Umstellung dämpft den Veränderungseffekt und macht es dem Kind leichter, wieder in den Schulrhythmus hineinzufinden.
2 – Die Ferien zum Beobachten und für Gespräche nutzen
Weil man in den Ferien oft mehr Zeit miteinander verbringt, bekommen Eltern die seltene Gelegenheit, Verhaltensweisen wahrzunehmen, die im Alltagsstress leicht untergehen.
Wie spricht das Kind über die Schule? Zeigt es Angst? Anspannung? Unlust? Gereiztheit? Wichtiger als diese Punkte sofort „lösen“ zu wollen, ist es, Gefühle anzuerkennen und Raum für ein Gespräch zu schaffen.
„Diese Zeit hilft Familien, ihren Kindern besser zuzuhören und zu verstehen, wie sie die Schule und den eigenen Lernprozess wahrnehmen“, erklärt Gleyson.
3 – Die Schule nicht als Strafe darstellen
Sätze wie „Jetzt ist der Spass vorbei“ oder „Jetzt geht’s zurück in die Realität“ können eine negative Verknüpfung mit Schule verstärken.
Hilfreicher ist es, den Blick auf positive Seiten zu lenken: Freundinnen und Freunde wiedersehen, Neues lernen, an Aktivitäten teilnehmen und eine Routine zurückgewinnen, die vielen Kindern auch Sicherheit gibt.
4 – Das eigene Anpassungstempo respektieren
Kinder starten nicht alle gleich in das neue Schuljahr: Manche finden sehr schnell zurück in den Ablauf, andere brauchen mehr Zeit, um sich neu zu sortieren.
Vergleiche mit Geschwistern, Mitschülerinnen und Mitschülern oder Cousins und Cousinen führen meist eher zu zusätzlicher Anspannung als zu Motivation.
Wenn der Familie in den Ferien deutliche Veränderungen aufgefallen sind, kann es sinnvoll sein, diese Beobachtungen mit der Schule zu teilen. Hinweise dazu, was zu Hause gut funktioniert, unterstützen Lehrkräfte und Koordination dabei, das Kind in den ersten Wochen besser aufzufangen.
5 – Anpassung nicht nur an Noten messen
Gerade in den ersten Unterrichtstagen sollte die schulische Leistung nicht das einzige Kriterium sein. Es lohnt sich ebenso darauf zu achten, ob das Kind bei Aktivitäten mitmachen kann, mit anderen Kindern in Kontakt kommt, Selbstständigkeit zeigt und sich in der Schule wieder wohler fühlt.
„Das emotionale Wohlbefinden und die Art, wie das Kind eine Beziehung zur Schule aufbaut, sind genauso wichtig wie die Leistung“, fasst Gleyson zusammen.
Ferien können auch Entwicklung fördern
Neben Erholung lässt sich die freie Zeit nutzen, um neue Fähigkeiten mit einfachen Aktivitäten anzuregen – etwa durch Lesen, Zeichnen, Musik, Theater, Sport oder kulturelle Ausflüge.
Dafür braucht es keinen überfüllten Terminplan. Entscheidend ist, unterschiedliche Erfahrungen zu ermöglichen, die den Horizont des Kindes erweitern und Autonomie, Neugier sowie das Miteinander mit anderen stärken.
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