Eine Lotion aus Katzenminze, die auf Feldern in Uganda angebaut wird, hat sich als genauso wirksam gegen Mücken erwiesen wie DEET – der synthetische Wirkstoff, auf den die meisten Insektenschutzmittel setzen.
In der Variante mit 6% Öl verringerte die Katzenminze-Lotion die Landungen auf unbedeckten Beinen in den vier Stunden nach Einbruch der Dunkelheit um etwa 80–95%. An jedem Prüfstandort lag sie damit auf dem Niveau einer kommerziellen Creme.
DEET gilt zwar als sehr effektiv, ist in vielen Regionen jedoch importabhängig und teuer – und damit für zahlreiche Haushalte in Subsahara-Afrika kaum erschwinglich.
Ein Repellent, das lokal angebaut und vor Ort hergestellt wird, könnte ländlichen Familien einen bezahlbaren Schutz für die Abendstunden bieten, in denen sie sich oft draussen aufhalten und Malaria-übertragende Mücken besonders aktiv sind.
Die Kosten von DEET
Seit Jahrzehnten hält DEET Mücken zuverlässig von menschlicher Haut fern; Gesundheitsbehörden empfehlen den Wirkstoff weiterhin.
In weiten Teilen Subsahara-Afrikas muss die Chemikalie jedoch eingeführt werden. Das treibt den Preis so weit nach oben, dass viele Haushalte keinen Zugang dazu haben.
Diese Versorgungslücke wollte ein Team aus Uganda und dem Vereinigten Königreich schliessen – mit einer Pflanze, die eher für ihre Wirkung auf Katzen bekannt ist.
Katzenminze enthält den Stoff Nepetalacton, und Forschenden ist schon lange bekannt, dass er Mücken vertreibt.
Eine Studie zeigte, dass Katzenminzenöl und gereinigte Formen davon gegen die Dengue-Mücke mit DEET gleichzogen und es bei den niedrigsten Dosierungen sogar übertrafen.
Vom Feld zur Lotion
Geleitet wurde die neue Arbeit von Dr. Simon Scofield von der Cardiff University. Die Feldversuche konzipierte und organisierte Charles Batume vom Uganda Virus Research Institute.
Das Team baute in kleinen Plantagen im Osten Ugandas eine Sorte Katzenminze mit hohem Nepetalacton-Gehalt an, destillierte daraus das Öl und mischte es zu einer Lotion. Die Pläne der Gruppe reichen dabei deutlich über den Versuch hinaus.
Scofield sagte gegenüber einem Earth.com-Vertreter: „Sobald unser Repellent etabliert ist, werden wir das Community-Enterprise-Modell nutzen, um die Lotion zu produzieren und zu den niedrigstmöglichen Kosten zu verteilen – und damit ein nachhaltiges, gemeinnütziges Geschäft aufzubauen.“
Test des Produkts
Für den Praxistest im Freien nutzten die Forschenden eine einfache Methode, um Mückenlandungen auf Menschen zu erfassen.
Dabei legt eine freiwillige Testperson eine kleine Hautstelle frei und sammelt jede Mücke ein, die landet, bevor sie stechen kann. Die Freiwilligen sassen an Abenden in zwei Dörfern im Distrikt Budaka draussen – jeweils von 18:00 bis 22:00 Uhr.
Ein Teil erhielt eine Lotion mit 2% Katzenminzenöl, ein Teil eine mit 6%, andere eine neutrale Lotion ohne Öl, und eine weitere Gruppe bekam die vor Ort erhältliche DEET-Creme Peaceful Sleep.
Welche Lotion eine Person erhalten hatte, wurde niemandem mitgeteilt. Sobald Mücken auf der unbedeckten Wade landeten, nutzte jede Person einen Mundaspirator, um die Insekten in ein Gefäss zu saugen.
In einer früheren Veröffentlichung hatte dieselbe Arbeitsgruppe bereits gezeigt, dass 2% Katzenminze die Dengue-Mücke in einem Glasprüfröhrchen bis zu vier Stunden lang abwehrte.
Offen war jedoch, ob dieser Effekt draussen – gegen wilde Mücken, die tatsächlich Krankheitserreger tragen – ebenso Bestand hat.
Die Ergebnisse unter realen Bedingungen
Personen mit der neutralen Lotion hatten praktisch keinen Schutz: Über einen Abend hinweg sammelten sie rund ein Dutzend Mücken ein – und an einem Standort deutlich mehr.
Unter den gefangenen Insekten waren viele Anopheles gambiae, die Malaria überträgt, sowie Culex-Mücken, die andere Krankheiten verbreiten. Wer 6% Katzenminzenöl oder DEET trug, fing während des Tests dagegen meist nur ein oder zwei Mücken.
Nepetalacton und DEET halten Mücken über unterschiedliche Mechanismen fern. Das synthetische Mittel beeinträchtigt den Geruchssinn der Mücke und „verstopft“ gewissermassen ihre Geruchsrezeptoren.
Nepetalacton setzt an einem älteren und direkteren System an. Eine Studie führte die Wirkung auf TRPA1 zurück – einen Rezeptor für Reizstoffe, den Insekten und viele Tiere nutzen, um schädliche Chemikalien wahrzunehmen.
Das ist derselbe Rezeptor, der beim Menschen das Brennen von Wasabi oder Tränengas vermittelt. Katzenminze scheint die Insekten-Variante davon zu aktivieren, sodass eine Mücke behandelte Haut als etwas einstuft, vor dem sie fliehen sollte.
Dieselben Forschenden fanden zudem, dass Katzenminze die menschliche Form dieses Rezeptors nicht aktiviert. Das hilft zu erklären, warum das Öl Insekten abwehrt, ohne unsere Haut selbst zu reizen.
Praxistauglichkeit statt Labornachweis
Die meisten früheren Untersuchungen zu Katzenminze-Repellents endeten im Labor.
Diese Studie brachte den Test in den Alltag – und zeigte im Feld, dass die Lotion gegen wildlebende, krankheitsübertragende Mücken das einlöste, was Laborergebnisse zuvor angedeutet hatten.
Als Freiwillige eine optisch vergleichbare Lotion auf Basis eines anderen Pflanzenöls erhielten – ohne Nepetalacton –, war kein messbarer Schutzeffekt zu erkennen.
Damit blieb Nepetalacton als wahrscheinlichste Erklärung dafür übrig, dass die Katzenminze-Lotion Mücken abwehrte, statt dass es sich um einen Placeboeffekt handelte.
Ein Mittel aus lokalem Anbau
Die Ergebnisse deuten darauf hin, dass ein Repellent, das Menschen selbst anbauen und zubereiten können, sich draussen mit dem Branchenstandard messen kann – und nicht nur unter kontrollierten Laborbedingungen.
Die nötige Wirkstoffmenge ist gering: Schon eine überschaubare Katzenminze-Ernte kann viel Lotion liefern, was Kosten und Flächenbedarf niedrig hält. Zwar finanzieren Fördermittel den Start, doch das Konzept ist darauf ausgelegt, sich langfristig selbst zu tragen.
Im Gespräch mit Earth.com sagte Scofield: „Wir hoffen, dass es bald selbsttragend sein wird und regelmässige Einnahmen für alle Beteiligten generiert.“
Nach dem Test der 6%-Lotion bewerteten 119 Anwohnende das Produkt positiv. Fast alle mochten den Geruch, fanden das Auftragen unkompliziert und gaben an, sie würden es kaufen, wenn es in Geschäften erhältlich wäre.
Die Forschenden wiesen darauf hin, dass es sich dabei um persönliche Eindrücke handelt – und nicht um ein Mass dafür, wie gut die Lotion tatsächlich wirkt.
Da Katzenminze in weiten Teilen Subsahara-Afrikas leicht wächst, könnten dieselben Flächen, die ein Haus beschatten, zugleich auch den Rohstoff für Mückenschutz liefern.
Skalierung der Lösung
Das Team betrachtet die Pflanze als Ausgangsmaterial für eine grossflächige, bezahlbare Produktion. Der Fokus soll sich dabei nicht auf Uganda beschränken.
Gegenüber Earth.com ergänzte Scofield: „Es gibt auch einen grossen Markt für Insektenschutzprodukte im Globalen Norden, und letztlich würden wir sehr gern auch in diesen Markt expandieren.“
Für Familien, die ihre Abende in Malaria-Gebieten draussen verbringen, könnte eine günstige Lotion, die vier Stunden nach Sonnenuntergang wirksam bleibt, Schutz genau während der Hauptaktivitätszeit der Mücken bieten.
Die Studie wurde in Scientific Reports veröffentlicht.
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