Dieser Text ist mithilfe meiner Haustiere entstanden. Immer wenn ich den Faden verloren habe oder müde wurde, habe ich die Leinen meiner Hunde geschnappt – und sie waren sofort dabei, um draussen frische Luft zu tanken und ein kleines Abenteuer zu erleben. Ich gebe offen zu: Meine Tiere fördern meine Gesundheit, meine Produktivität und mein Glück – und ich hoffe, ich trage im Gegenzug dazu bei, dass auch sie gesund und zufrieden sind.
Dass Haustiere die Gesundheit und das Wohlbefinden von Menschen unterstützen können, ist weithin anerkannt – doch der Nutzen sollte auf beiden Seiten liegen. Unsere Tiere sind empfindungsfähige Lebewesen; sie verdienen Fürsorge und Respekt und dürfen nicht als Mittel zum Zweck herhalten, wenn das am Ende ihrer eigenen Gesundheit schadet.
Weil derzeit in vielen Ländern – darunter die USA und Grossbritannien – sowohl bei Menschen als auch bei Haustieren eine Adipositas-Krise zu beobachten ist, stellt sich die Frage: Was können Halterinnen und Halter tun, damit sie die Gesundheit ihrer Tiere nicht unbeabsichtigt beeinträchtigen, während sie sich auf Trost und Gesellschaft verlassen?
Im Folgenden finden Sie fünf Ansätze, mit denen Sie und Ihr Haustier gemeinsam gesünder und glücklicher werden können.
1. Ruhe und Entspannung
Begleittiere können helfen, Stress und Belastung zu verringern. Studien zeigen, dass allein die körperliche Anwesenheit eines Hundes bei einer anspruchsvollen Aufgabe den Blutdruck und die Herzfrequenz von Menschen senken kann – und zwar stärker als die Anwesenheit eines Familienmitglieds oder einer Freundin bzw. eines Freundes. Wurden Menschen jedoch gebeten, belastende Aufgaben in Gegenwart eines freundlichen, aber unbekannten Tieres zu erledigen, zeigten sich keine entsprechenden Vorteile.
Haustiere können ihren Besitzerinnen und Besitzern somit Trost, Sicherheit und Unterstützung geben – gewissermassen einen sicheren Hafen. Gleichzeitig suchen auch Tiere bei „ihren“ Menschen Beruhigung: Sie lassen sich durch deren Nähe entspannen und geniessen Zuwendung. Allerdings kann eine sehr intensive Mensch–Tier-Interaktion auch Bindungsprobleme begünstigen; dann steigt die Anfälligkeit für Aggression, Angst und Trennungsangst.
Bei manchen Tieren ist zu viel Anfassen oder ein unpassendes Streicheln ebenfalls belastend und kann Angst auslösen – bis hin zu aggressivem Verhalten oder anhaltender Nervosität.
Einige Halterinnen und Halter schlafen sogar am liebsten im selben Bett wie ihr Tier. Das Schlafen neben einem Tier kann gesundheitliche Folgen haben, etwa unterbrochenen Schlaf sowie das Risiko von Verletzungen, Krankheitsübertragung oder Allergien.
Andererseits kann das gemeinsame Schlafen mit dem Haustier auch erholsamen Schlaf fördern und zusätzlich Wärme, Geborgenheit und Gesellschaft bieten. Viele Tiere scheinen es ohnehin zu bevorzugen, in unmittelbarer Nähe zu anderen zu schlafen – der Vorteil könnte also wechselseitig sein.
2. Beziehung aufbauen
Ein stabiler Beziehungsaufbau ist für Mensch und Tier wichtig, um gesund zu bleiben. Eine gute Mensch–Tier-Beziehung erkennt an, dass die Halterin bzw. der Halter Verantwortung für Wohlergehen und Gesundheit des Tieres trägt. Umgekehrt können gestörte Beziehungen zu Haustieren zu traumatischen Erfahrungen und Aggression führen. Betreuungspersonen, deren Hunde weniger freundlich oder schlecht erzogen sind, können unter Angstzuständen und Depressionen leiden.
Entscheidend ist, Tiere mit Methoden zu trainieren, die eine positive Partnerschaft zwischen Mensch und Tier unterstützen. Das kann ausserdem dazu beitragen, dass sowohl Halterin bzw. Halter als auch Tier optimistischer durchs Leben gehen. Untersuchungen zeigen, dass Training mit positiver Verstärkung – im Gegensatz zu strafbasierten Methoden – der beste Weg ist, sowohl das Tierwohl als auch den Lernerfolg zu fördern.
Wie eng und tragfähig solche Beziehungen sein können, sieht man häufig bei Assistenz- und Therapietieren. Therapiehaustiere werden mit einer höheren Selbstständigkeit und einem verbesserten, subjektiv empfundenen Wohlbefinden ihrer Besitzerinnen und Besitzer in Verbindung gebracht. In medizinischen Einrichtungen ist das Streicheln und der Kontakt mit Therapietieren für Patientinnen und Patienten vorteilhaft: Tiere können ein Gefühl von Normalität vermitteln, Langeweile reduzieren und helfen, Depressionen zu lindern.
3. Freunde finden (auf zwei und auf vier Beinen)
Mit dem Haustier spazieren zu gehen, bringt womöglich mehr gesundheitliche Pluspunkte als nur Bewegung.
Tiere können das Knüpfen von Freundschaften und Beziehungen erleichtern – und zugleich das Gemeinschaftsgefühl stärken. So lernen Haustierhalterinnen und -halter zum Beispiel eher Menschen aus ihrer näheren Umgebung kennen.
Woran liegt das? Forschungen deuten darauf hin, dass Haustiere eine starke Wirkung als „social lubrication“ haben und Kontakte zu anderen Tierhalterinnen und -haltern sowie Tierfreundinnen und -freunden erleichtern.
Dementsprechend erleben Haustierbesitzerinnen und -besitzer Einsamkeit und soziale Isolation seltener als Menschen ohne Tiere.
4. Entscheidungen zur Ernährung
Tierärztinnen und Tierärzte sind sich einig: Der durchschnittliche Taillenumfang von Haustieren nimmt zu. Das spiegelt die Entwicklung in der menschlichen Bevölkerung wider – wobei Ernährung und Bewegung zwei wesentliche Faktoren sind.
Bei Hunden (nicht jedoch bei Katzen) hängt die Häufigkeit von Adipositas mit dem Taillenumfang der Halterin bzw. des Halters zusammen. Das spricht für einen kausalen Zusammenhang im Lebensstil. Mit anderen Worten: Besitzerinnen und Besitzer schaden der Gesundheit ihrer Tiere häufig unbeabsichtigt – weil sie dieselben ungünstigen Ess- und Bewegungsgewohnheiten haben, die auch bei ihnen selbst zu Gesundheitsproblemen führen.
Wenn Menschen dabei unterstützt werden, bessere Ernährungsentscheidungen für ihre Tiere zu treffen, könnte das zugleich gesünderes Essen beim Menschen fördern.
Wird eine verbesserte Ernährung mit regelmässiger Bewegung kombiniert, kann das dazu beitragen, dass sowohl Haustiere als auch Menschen wieder einen gesunden Taillenumfang erreichen.
5. Spazierengehen für das Wohlbefinden
Regelmässige körperliche Aktivität ist bei Menschen und Tieren mit vielen gesundheitlichen Vorteilen verbunden. Für die meisten Hundebesitzerinnen und -besitzer ist Gehen bzw. Spazieren eine kostengünstige und vergleichsweise leicht zugängliche Möglichkeit, die körperliche Gesundheit und das allgemeine Wohlbefinden von Mensch und Tier zu verbessern.
So haben Menschen, die regelmässig mit ihrem Hund spazieren gehen, eine geringere Körpermasse und ein höheres Aktivitätsniveau als Personen ohne Hund oder als jene, die zwar mit Hunden zusammenleben, diese aber nicht ausführen. Ausserdem kann Spazierengehen mindestens dreimal pro Woche Rückenschmerzen lindern und das Risiko eines erneuten Auftretens halbieren.
Allerdings wird nicht jeder Hund regelmässig ausgeführt. Gründe können fehlende geeignete Orte, Sicherheitsbedenken oder Sorgen über das eigene oder fremde Hundeverhalten sein. Wenn Anlagen und Angebote für alle zugänglich, sicher und nutzerfreundlich gestaltet werden, kann das zu mehr Aktivität motivieren. Dazu zählen etwa „poo bins“, um Hundekot zu reduzieren, eine Quartiersplanung, die sichere Spazierwege ermöglicht, sowie eingeschränkter Zugang zu potenziell sensiblen Bereichen wie Kinderspielplätzen.
Letztlich sollte das Zusammenleben mit einem Begleittier eine wechselseitig vorteilhafte Beziehung sein – gesund und glücklich für beide. Wer diesen fünf Leitlinien folgt, kann gemeinsam mit seinem Tier Trost und Ruhe finden und gleichzeitig ein gesundes Gewicht sowie eine positive Lebenseinstellung unterstützen.
Jacqueline Boyd, Senior Lecturer (Dozentin) für Tierwissenschaften, Nottingham Trent University
Dieser Artikel wird unter einer Creative-Commons-Lizenz von The Conversation erneut veröffentlicht. Lesen Sie den Originalartikel.
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