Auch wenn man weiss, dass mangelhaftes Zähneputzen und zu viel Süsses den Zähnen schaden, sind das längst nicht die einzigen Ursachen für Probleme im Mundraum. Selbst einfache, alltägliche Verhaltensweisen können den Zahnschmelz abnutzen, Karies begünstigen, Empfindlichkeiten auslösen und sogar das Risiko für Brüche erhöhen.
Nach Angaben des Zahnarztes Dr. Flávio Pinheiro können kleine, täglich wiederholte Handlungen sich über die Zeit summieren und die Mundgesundheit nachhaltig beeinträchtigen. „Ein grosser Teil der Probleme, die wir in der Praxis sehen, liesse sich mit einfachen Verhaltensänderungen vermeiden. Viele Menschen ahnen nicht einmal, dass bestimmte Gewohnheiten den Zähnen schaden“, erklärt er.
Im Folgenden nennt der Experte einige verbreitete Gewohnheiten, die Zähne schädigen können, ohne dass man es merkt. Sehen Sie selbst!
1. Zu kräftig Zähne putzen
Starkes Schrubben bedeutet nicht automatisch eine bessere Reinigung. Im Gegenteil: Zu viel Druck kann den Zahnschmelz abtragen und einen Rückgang des Zahnfleischs fördern. Dadurch liegt die Zahnwurzel eher frei, was die Empfindlichkeit erhöhen kann. „Ideal ist eine Zahnbürste mit weichen Borsten und sanfte Bewegungen, ohne übermässigen Kraftaufwand“, empfiehlt der Fachmann.
2. Zähne knirschen oder zusammenpressen
Beim Bruxismus werden die Zähne geknirscht oder fest aufeinandergepresst – häufig im Schlaf oder in Stressphasen. Auf Dauer kann dieses Verhalten die Zähne abnutzen, Kieferschmerzen und Kopfschmerzen verursachen und sogar zu Zahnfrakturen führen. Wenn Anzeichen wie sichtbarer Abrieb oder Beschwerden beim Aufwachen auftreten, sollte man eine zahnärztliche Abklärung in Betracht ziehen.
3. Nägel kauen oder auf Gegenständen beissen
Nägelkauen, das Kauen auf Kugelschreiberkappen, Eis oder anderen harten Gegenständen wirkt harmlos, kann jedoch feine Risse, Frakturen und eine Überlastung der Zahnstruktur verursachen. Ausserdem erleichtern solche Gewohnheiten das Eindringen von Bakterien in den Mund.
4. Über den Tag verteilt saure Getränke trinken
Limonaden, Energy-Drinks, Sportgetränke und sogar sehr häufig getrunkenes Wasser mit Zitrone können die Erosion des Zahnschmelzes begünstigen. „Das Problem ist nicht nur die Menge, sondern die Häufigkeit. Wenn die Zähne mehrmals täglich Säure ausgesetzt sind, wird der Schmelz nach und nach abgetragen“, warnt Dr. Flávio Pinheiro.
5. Direkt nach sauren Speisen oder Getränken Zähne putzen
Nach dem Verzehr saurer Lebensmittel oder Getränke ist der Zahnschmelz vorübergehend anfälliger. Wer in dieser Phase sofort putzt, kann den Abrieb beschleunigen. Empfohlen wird, etwa 30 Minuten bis zum Zähneputzen zu warten, damit der Speichel die Säure besser neutralisieren kann.
6. Zwischen den Mahlzeiten immer wieder Süsses naschen
Wer über den Tag verteilt kleine Portionen Süssigkeiten isst, hält die Mundbakterien ständig „bei Laune“. Dadurch produzieren sie fortlaufend Säuren, was die Entstehung von Karies erleichtert. Wenn möglich, ist es sinnvoller, Süsses zu den Mahlzeiten zu konsumieren und auf eine gute Mundhygiene zu achten.
7. Kleine Warnsignale ignorieren
Empfindlichkeit bei Kälte, Zahnfleischbluten beim Putzen, feine Risse oder Veränderungen im Aussehen der Zähne sollten nicht als normal abgetan werden. „Je früher wir ein Problem erkennen, desto einfacher ist die Behandlung meist. Zu warten, bis Schmerzen auftreten, kann komplexere Eingriffe und höhere Kosten bedeuten“, betont Dr. Flávio Pinheiro.
Sich um die Mundgesundheit zu kümmern, heisst auch, die allgemeine Gesundheit im Blick zu behalten. „Eine gute Mundhygiene, eine Zahnbürste mit weichen Borsten, eine ausgewogene Ernährung und regelmässige Zahnarzttermine sind grundlegende Massnahmen, um Problemen vorzubeugen und die Zahngesundheit ein Leben lang zu erhalten“, schliesst er.
Von Adriana Quintairos
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