Wer bei der Suche nach dem passenden Geschenk nervös wird und sich zusätzlich sorgt, ob es rechtzeitig ankommt, ist damit nicht allein: Mehr als die Hälfte der US-Amerikanerinnen und US-Amerikaner gibt an, dass Schenken sie stresst.
Die Angst, dass eine Sendung zu spät eintrifft, ist so verbreitet, dass rund um die Feiertage sogar Stichtage je Versanddienst kursieren. Und falls diese Termine nicht einzuhalten sind, gibt es inzwischen praktische Benimm-Ratgeber, die erklären, wie man die Empfängerin oder den Empfänger darüber informiert.
Wenn bei Ihnen Geschenke schon einmal verspätet angekommen sind – wegen Lieferverzögerungen, ausverkaufter Ware oder schlicht wegen klassischer Prokrastination –, könnten unsere neuen Ergebnisse eine beruhigende Botschaft enthalten.
In einer Reihe von Studien, die demnächst im Journal of Consumer Psychology erscheinen, zeigen wir: Menschen überschätzen die negativen Folgen, wenn sie ein Geschenk zu spät verschicken.
Versuch, Normen einzuhalten
Weshalb werden die Konsequenzen so oft zu dramatisch eingeschätzt? Unsere Resultate deuten darauf hin, dass Schenkende stärker auf gesellschaftliche Normen rund ums Schenken achten als die Beschenkten.
So haben andere Forschende zum Beispiel festgestellt, dass viele zögern, gebrauchte Produkte zu verschenken, weil die Norm lautet, Geschenke sollten neu sein. Tatsächlich sind aber etliche Menschen durchaus bereit, auch Gebrauchtwaren als Geschenk anzunehmen.
Wir sehen, dass diese Diskrepanz ebenso beim Thema Timing besteht. Viele befürchten, ein verspätetes Geschenk könne signalisieren, dass ihnen die beschenkte Person nicht wichtig ist. Entsprechend haben sie Angst, die Beziehung könnte darunter leiden.
In der Praxis sind diese Sorgen jedoch weitgehend unbegründet: Beschenkte messen dem Zeitpunkt, zu dem ein Geschenk eintrifft, deutlich weniger Bedeutung bei.
Und es bleibt nicht bei unnötiger Anspannung. Eine übersteigerte Sensibilität für verspätete Geschenke kann auch beeinflussen, wofür man sich am Ende entscheidet.
Verspätung ausgleichen
Um zu prüfen, wie sich die Sorge vor Verspätung auf die Geschenkauswahl auswirkt, führten wir vor dem Muttertag 2021 eine Online-Studie durch. 201 Erwachsene nahmen an einer Verlosung teil. Sie konnten auswählen, ob ihre Mutter entweder einen günstigeren Geschenkkorb erhalten sollte, der pünktlich zum Anlass ankommt, oder einen teureren Korb, der verspätet eintreffen würde.
Die Angst vor dem Zuspätkommen führte dazu, dass sich fast 70 Prozent der Teilnehmenden für die preiswertere und rechtzeitigere Option entschieden.
In einer weiteren Untersuchung organisierten wir eine ähnliche Verlosung zum Vatertag – mit vergleichbaren Ergebnissen.
Neben der Beobachtung, dass Menschen zugunsten einer schnelleren Zustellung schlechtere Artikel wählen, fanden wir auch: Schenkende haben teils das Gefühl, eine Verspätung durch zusätzlichen Einsatz kompensieren zu können.
In einer weiteren Online-Studie mit 805 Erwachsenen zeigte sich, dass Teilnehmende seltener erwarteten, eine verspätete Lieferung schade der Beziehung, wenn sie ihre Wertschätzung auf andere Weise sichtbar machten. So gingen sie etwa davon aus, dass es eine verspätete Übergabe ausgleichen kann, wenn man einen Gegenstand selbst zusammenbaut, statt ihn vormontiert zu kaufen.
Lieber spät als nie?
Wenn ein verspätetes Geschenk weniger schlimm ist als gedacht, liegt die Frage nahe, ob es dann auch in Ordnung ist, einfach gar nichts zu schicken.
Davor würden wir warnen.
In einer weiteren Online-Studie mit 903 Teilnehmenden stellten wir fest, dass Empfängerinnen und Empfänger es eher als beziehungsschädigend einschätzten, überhaupt nichts zu bekommen, als etwas, das bis zu zwei Monate zu spät eintrifft.
Mit anderen Worten: Aus Sicht der Beschenkten ist „zu spät“ besser als „nie“.
Das kann man sich vor Augen halten – selbst wenn in dieser Feiertagssaison die neue Spielekonsole, die Actionfigur oder das Virtual-Reality-Headset ausverkauft ist. Kommt es erst im Januar oder Februar, kann es trotzdem eine erfreuliche Überraschung sein.
Rebecca Walker Reczek, Professorin für Marketing, The Ohio State University; Cory Haltman, Ph.D.-Kandidat im Marketing, The Ohio State University, und Grant Donnelly, Assistenzprofessor für Marketing, The Ohio State University
Dieser Artikel wird mit einer Creative-Commons-Lizenz von The Conversation erneut veröffentlicht. Lesen Sie den Originalartikel.
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