Schon einmal kurz davor gewesen, saure Milch in die Spüle zu schütten, und dann gedacht: „Hm, vielleicht lieber nicht …“? Wie sieht es mit verdorbener Tomaten-Passata aus? Oder mit dem Wasser, in dem Sie den Pinsel ausgewaschen haben? Oder mit dem stark riechenden Öl aus einer Thunfischdose?
Es lohnt sich, kurz innezuhalten und zu prüfen, wie klug – oder eben unklug – es ist, solche Alltagsreste in den Abfluss zu kippen.
Denn vieles davon kann Leitungen verstopfen oder beschädigen, Gesundheitsrisiken verursachen und die Umwelt belasten. Ausserdem erhöht es die Last, die Kläranlagen bewältigen müssen.
Wohin das Abwasser fliesst
Sämtliches Abwasser aus dem Haus wird über das Kanalisationsnetz abgeleitet. Alles, was in der Toilette gespült oder über Küchenspüle, Badewanne oder Dusche abgelassen wird, landet zunächst in denselben Hausleitungen.
Anschliessend fliesst es in den kommunalen Abwasserkanal – also in grosse Rohre, die unter Gärten oder Strassen verlaufen – und letztlich in eine Kläranlage. Dort gibt es grosse, belüftete Becken, in denen Bakterien die organischen Bestandteile im Abwasser abbauen.
Der "Chemical oxygen demand" beschreibt, wie viel Sauerstoff benötigt wird, um organisches Material zu zersetzen. Jedes zusätzliche bisschen organische Fracht – von Passata bis Thunfischöl – erhöht diese Belastung. Und je höher die organische Last, desto mehr Belüftung und desto grössere Becken sind erforderlich; das macht Betrieb und Anlage teurer und komplexer.
Verschüttete Milch
Darf Milch in den Abfluss? Flüssige Milchprodukte – oder generell Speisereste mit Fett, Öl und Schmierstoffen, einschliesslich Speiseöl – können Kanäle zusetzen. Sobald Öl und Fett im Abwasser mit kühlerem Wasser zusammenkommen, werden sie fest. Dann verbinden sie sich leicht mit anderem Müll, etwa Feuchttüchern, und bilden eine steinharte Verstopfung, die als "fatberg" bezeichnet wird.
Solche Ablagerungen zu entfernen, ist extrem kostspielig. In den neun Monaten bis Juli 2025 gab Sydney Water beispielsweise A$12 million aus, um 11,805 "chokes" im Abwassersystem zu beseitigen.
Verstopfte Kanäle sind nicht nur ein übler Ärger für die Wasserwirtschaft – sie treffen uns alle. Sie können dazu führen, dass rohes, unbehandeltes Abwasser in die Umwelt gelangt.
Sydney Water rät, alte Milch mit Wasser zu verdünnen und sie nur in kleinen Mengen auf Pflanzen zu geben, statt sie in die Spüle zu kippen. Alternativ kann Milch im Behälter bleiben und im Restmüll entsorgt werden.
Und was ist mit alten oder abgelaufenen Saucen, Dips und Bratensossen, die gerade zu dieser Jahreszeit gern im Kühlschrank „überleben“? Diese lassen sich kompostieren; sehr flüssige Sossen können Sie mit Zeitungspapier oder Küchenpapier aufsaugen und dann im Restmüll entsorgen.
Chemikalien wie Bleiche oder Farbe
Wenn ein Reinigungsmittel wie Bleiche in Australien verkauft werden darf, sollten Sie es in genau der Konzentration verwenden, die auf dem Behälter angegeben ist. Konzentrierte Reinigungsflüssigkeiten sollten jedoch nicht in die Spüle gekippt werden.
Auch übrig gebliebene Farbe oder das Wasser, mit dem Sie Pinsel auswaschen, gehört nicht in den Ausguss. Das kann die Hausinstallation verstopfen – und setzt Sie potenziell starken Dämpfen aus – ausserdem lassen sich so brennbare Flüssigkeiten in den Abfluss eintragen.
Stattdessen braucht es Alternativen: Sie können einen Wegwerfpinsel nutzen oder – wenn sich der Anstrich über mehrere Tage zieht – den Pinsel in Plastik einwickeln und erst am Ende reinigen. Kleine Mengen Pinselwasser können Sie in ein altes Handtuch einziehen lassen und dieses nach dem Trocknen der Farbe im Restmüll entsorgen.
Am besten ist es jedoch, potenziell gefährliche Haushaltschemikalien wie Farbe, Reiniger, Pestizide, Motoröl oder Speiseöl zu Sammelstellen zu bringen, etwa zu einem Household Chemical Cleanout-Termin. Solche Aktionen sind in einigen Bundesstaaten und Territorien an festgelegten Tagen als kostenloser Service verfügbar.
Zudem gibt es Branchen, die eigene Rücknahmesysteme finanzieren – zum Beispiel "paintback"-Abgabestellen. Gewerbliche und industrielle Betriebe benötigen dafür geeignete Recycling- und Behandlungsprozesse.
Ein gemeinsames Problem
Grundsätzlich gilt: In die Spüle gehört nichts, was wir nicht auch in unseren Gewässern haben wollen. Haushalte sollten Waschbecken nicht als Entsorgungsweg nutzen, sondern sicherere Alternativen wählen – etwa organische Küchenabfälle zu kompostieren und gefährliche Stoffe zu zugelassenen Sammelaktionen zu bringen.
Entscheidend ist nicht, was eine einzelne Person macht, sondern was eine ganze Stadt in Summe einleitet. Viele kleine Handlungen entfalten zusammengerechnet eine grosse Wirkung: Sie schützen Rohrleitungen, die öffentliche Gesundheit sowie Bäche und Meere.
Faisal Hai, Professor and Head of School of Civil, Mining, Environmental and Architectural Engineering, University of Wollongong
Dieser Artikel wurde aus The Conversation unter einer Creative-Commons-Lizenz erneut veröffentlicht. Lesen Sie den Originalartikel.
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